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Rendezvous mit Tucholsky
Ein Leseabend-Streifzug durch Kurt Tucholskys Denken, Schreiben und Schnipseln

mit: Verena Bosshard, Agnes Caduff
Konzept: Verena Bosshard, Agnes Caduff
Schluss-Regie: Helmut Vogel

Premiere: 11. Oktober 2001
Dauer: 70 Minuten

Warum nicht Tucholsky —?
Hat man doch vor nicht allzu langer Zeit seinen (einzigen) Roman “Schloss Gripsholm” verfilmt. Doch hinter dem Namen Kurt Tucholsky verbirgt sich viel mehr als nur “Grips-Holm”...

Pressestimmen
«Die beiden Vorleserinnen riefen den Zuschauern immer wieder ins Gedächtnis, mit welcher Mischung aus Ehrfurcht vor der Sprache und Spott vor hohlen Phrasen Tucholsky schrieb. Seine satirisch-kabarettistische Kleinlyrik strotzt vor Vitalität, lässt jedoch Banalitäten keinen Platz. Und wenn, dann nimmt er sie ironisch und bissig aufs Korn, was die beiden Vorleserinnen durch theatralische Gesten auskosten.»
(Wiler Zeitung)

«Die Zuhörerschaft lässt sich vom aberwitzigen Wortwitz Tucholskys nur allzu gerne mit- und fortreissen, nur um Momente darauf wieder durch eine überraschende Pointe mal erheitert, mal ernüchtert zu werden. Kurzum: der Abend war unterhaltsam, packend, aufrüttelnd und anregend in einem. Tucholsky hätte es sicherlich gefallen.»
(Thurgauer Zeitung)

ZUR SOZIOLOGISCHEN PSYCHOLOGIE DER LÖCHER
Ein Loch ist da, wo etwas nicht ist.
Das Loch ist ein ewiger Kompagnon des Nicht-Lochs: Loch allein konmmt nicht vor, so leid es mir tut. Wäre überall etwas, dann gäbe es kein Loch, aber auch keine Philosophie und erst recht keine Religion, als welche aus dem Loch kommt. Die Maus könnte nicht leben ohne es, der Mensch auch nicht: es ist beider letzte Rettung, wenn sie von der Materie bedrängt werden. Loch ist immer gut.
Wenn der Mensch ein Loch sieht, hat er das Erstreben, es auszufüllen, dabei fällt er meist hinein. Man tut also gut, um die Löcher einen grossen Bogen zu machen, wobei man sich nicht wundern darf, wenn man in andre fällt. Man falle aIso lieber in das erste. Loch ist Schicksal.
Wenn ein Loch zugestopft wird: wo bleibt es dann? Drückt es sich seitwärts in die Materie? oder läuft es zu einem andern Loch, um ihm sein Leid zu klagen?—wo bleibt das zugestopfte Loch: Niemand weiss das: unser Wissen hat hier eines.
Das Ding an sich muss noch gesucht werden; das Loch ist schon an sich. Grössenwahnsinnige behaupten, das Loch sei etwas Negatives. Das ist nicht richtig: der Mensch ist ein Nicht-Loch, und das Loch ist das Primäre.
1931

Aufführungsbedingungen
Ort: Kleinsttheater, Bibliothek, Gaststube, Estrich oder anderer kleiner Raum.
Elektrische Anschlüsse: 1 x 220V
Gage: 900.- Fr. / 1'200 Fr. + Spesen